Über 30 Jahre sind vergangen, man holt seinen alten Heim-Computer aus dem Keller und möchte alte Zeiten zurück holen. Der Monitor ist aber längst entsorgt oder defekt. Was nun? Kann man seinen alten Rechner an neue Monitore anschließen und alte Games spielen? Ja, das geht. Mit etwas Bastelarbeit und ein wenig Hardware-Hilfe…

Vor zig Jahrzehnten startete meine Computer-Ära (abgesehen von Konsolen wie ATARI) mit dem Schneider CPC 464. Während andere Kids aus meiner Klasse sich einen C64 holten, wollte ich etwas „besseres“ haben, mit dem ich nicht nur Spiele spielen konnte, sondern ordentlich programmieren und mich darin bilden. C64 war zwar dem CPC in Sachen Spiele-Verfügbarkeit durchaus überlegen (es wurden ja auch meistens nur C64 Spiele auf dem Schulhof getauscht *hust* ), technisch betrachtet aber nicht. Spiele waren mir nicht egal, zur Not zockte ich bei Freunden bis in die Nacht gemeinsam am C64. Nach etlichen Jahren geriet aber der CPC bei mir aus dem Sichtfeld, ich verschenkte das Gerät an meinen Neffen und widmete mich komplett dem Amiga und später dem PC. Heute – nach über 30 Jahren – habe ich beschlossen ihn wieder in mein Heim zu lassen. Ich kaufte mir einen CPC 464 – und später noch einen CPC 6128 dazu…

Aber ich wollte mehr – ich wollte ihn an einen TFT-Monitor anschließen.

hello_amstrad

Möglichkeiten es über den TV zu machen via SCART-Kabel gibt es zwar auch, genau so wie für den Amiga oder andere Computer es solche Kabel gibt, gibt es die auch für den CPC. Aber wieso gibt es nichts Universelles? Gibt es doch. Und das gar nicht so schlecht und gar nicht so teuer.

Bei eBay entdeckte ich den Signal-Converter GBS 8200, der auch oft in dem Retro- und Arcade-Bereich zu finden ist. Für weniger als 30 Euro (in DE bestellt) gehörte das gute Stück mir. Und so sieht er nun aus…

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Wie man sieht, eine ganze Menge an Anschlüssen über Cinch, VGA oder direkte Konnektoren auf dem Board. Mittels des OSD-Menüs kann man also verschiedene Quellen wählen und das Signal konfigurieren. Vorausgesetzt man kann initial die Sprache im Blindflug von Chinesisch auf Englisch umstellen… 🙂

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Mitgeliefert wird ein Kabelstrang für den Anschluss einer RGB-Quelle direkt an das Board. Da ich es aber möglichst flexibel nutzen wollte, um zum Beispiel einen ATARI ST oder auch Amiga oder eine alte Konsole daran anschließen wollte, habe ich die externen Eingänge mir dafür aufgespart. Für den Schneider/Amstrad aber wählte ich einen der internen Verbindungen, da es mir ein wenig Arbeit abgenommen hat keine speziellen Kabel anfertigen zu müssen.

Wer den Schneider CPC kennt, weiß dass dieser mit Strom vom Monitor aus versorgt wurde. Neben dem Video-Signal wurde also vom CRT-Monitor (Grün- oder Farbmonitor) eine 5V Zuleitung an den „Tastaturrechner“ angeschlossen. Beim CPC464 war es nur die eine Stromversorgung, beim 664 und 6128, welche eingebaute Floppy-Laufwerke hatten, war es nochmal zusätzlich eine zweite mit 12 Volt. Diese war explizit für das Floppy-Laufwerk. Ohne diese funktioniert zwar der Rechner, aber das Laufwerk bleibt aus.

Zunächst wollte ich ein Gehäuse für den GBS haben. Bekommen habe ich es bei Conrad Elektronik, schwarzes Plastik mit paar Schrauben – Kostenpunkt ca. 10 Euro.

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Fixiert habe ich es am Gehäuse mittels Abstandshaltern und Schrauben, Bohrungen dafür sind in der Platine an den Ecken vorhanden. Wie man sehen kann, ist dann sogar noch Platz im Gehäuse, diesen wollte ich effizient nutzen.

Die Öffnungen sind mit dem Proxxon passgenau ausgefräst, so dass sich beliebige Kabel anschließen lassen.

Ausgehend davon, dass der CPC immer eine externe Stromversorgung benötigt – die bei Wegfall des CRT-Monitors nicht mehr da ist – habe ich der Box ein externes Netzteil spendiert, welches explizit nur für den CPC angeschlossen wird und jeweils 5V/12V per Kabel zur Verfügung stellt. Das Netzteil und die Buchse samt Schalter und Konnektoren habe ich aus einem externen Festplattengehäuse, welches defekt war, entnommen und in das Gehäuse gebaut. Dadurch habe ich mir unnötige Löt-Arbeit gespart und etwas, was normalerweise weggeworfen worden wäre wiederverwendet.

Nutze ich nur den 464, schließe ich nur das 5V Kabel an. Möchte ich den 6128 anschließen, nutze ich beide Stränge mit 5V/12V. Möchte ich einen anderen Computer/Console an die Box anschließen, benutze ich das Netzteil gar nicht und füttere die Box mit einer 5V Zuleitung vom Monitor, die ich am USB-Port abgreife. Die reicht nämlich für den Grundbetrieb des GBS völlig aus.

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Soweit so gut, der erste Testbetrieb konnte aufgenommen werden. Und so sieht der Aufbau dann aus:

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Die ersten Tests verliefen direkt erfolgreich. Das Bild ist stabil und ruhig, es gibt kaum was daran auszusetzen. Beim genauen Hinsehen wirkt es nicht ganz „scharf“, weil es auf die (native) Auflösung des Monitors interpoliert wird. Ist aber nicht schlimm, denn man hängt ja nicht mit der Nasenspitze vor dem Monitor 🙂

Hier ein paar Eindrücke…

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Prima, das hat gut funktioniert und mir ein Revival des Schneiders CPC versüßt. Da ich für den 6128er keinen Monitor bekommen konnte und der Monitor vom 464 keine 12V Leitung für das Floppy des 6128 hat, ist das die perfekte Lösung für mich. Als nächstes plane ich den ATARI 1040 ST daran anzuschließen, hierzu muss aber ein spezielles Kabel mit etwas IC-Logik gelötet werden, damit die Signale sauber und synchronisiert in Farbe an den GBS kommen können.

Die Box ist noch nicht ganz fertig, sie bekommt noch die Steuertasten für das OSD-Menü auf die Gehäuse-Oberseite durchgeführt. Hierzu muss ich mir noch passende Taster besorgen. Anschließend wird die Box noch lackiert und wird künftig fester Bestandteil meiner Retro-Spielwiese sein.

Stay tuned… 🙂

Alte Rechner an neue Monitore anschließen

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