Heute mal ein kurzer DIY-Beitrag zum Thema Gehäusereparatur. Ganz im Speziellen: Reparatur von Löchern im Gehäuse, die durch überdrehte Schrauben entstanden sind.

An einigen Modellen der Amiga-Baureihe, wie zum Beispiel dem A500, A600 und A1200 gibt es Gehäuse schrauben, die recht „nah“ an der  Gehäuseoberseite heraus“stechen“ können, wenn man die Schrauben zu fest andreht (oder falsche Schrauben verwendet). In dem Fall bildet sich ein kleiner „Buckel“ auf dem Gehäuse, weil die Schraubenspitze quasi zu weit nach oben heraus ragt. Im schlimmsten Fall geht die Schraube durch das Gehäuse und ein Loch entsteht. Das ist natürlich nicht schön, aber reparabel. Doch es ist nur dann 100% reparabel, wenn man hinterher das Gehäuse auch plant wieder zu lackieren. Ansonsten bleibt ein unschöner Fleck und den möchte man natürlich nicht sehen…

Hier die folgenden Steps und Kurzbeschreibungen zu meiner Vorgehensweise. Es ist nicht die einzige Vorgehensweise, es gibt sicherlich noch andere Lösungen dafür. Aber diese hat für mich noch immer am Besten funktioniert und ist recht schnell gemacht und kostengünstig.

Was wird dazu benötigt?

  • Div. Cutter/Messer
  • Heat-Gun oder Lötkolben mit einer Lötspitze, die nicht mehr zum Löten verwendet werden kann
  • Zwei-Komponenten Knetmasse (z.Beispiel von UHU)
  • Schleifpapier in verschiedenen Körnungen
  • Ein Stück Holz oder Kork als Schleifblock
  • Geduld und Feingefühl 🙂

 

 

Als aller erstes bereitet man die Oberfläche bzw. die Stelle auf, die betroffen ist. In dem Fall – wie im Bild zu sehen ist – kam die Schraube bereits mit der Spitze durch das Gehäuse durch und hat ein schönes Loch hinterlassen. Mit dem Cutter entferne ich überschüssige Reste und öffne sogar noch ein ganz wenig das Loch, so dass nachher die neue Füllung gut reingepresst werden kann.

 

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Als nächstes betrachten wir auch die Rückseite, dort wo die eigentliche Schraube also rein kommt. Manchmal stellt man nämlich fest (wie auch im Bild gut zu sehen), dass die Kapsel mit dem Plastikgewinde durch die Überdrehung auch gerissen und geplatzt ist.

 

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Jetzt kann man unterschiedliche Wege gehen. Man kann einen sehr hochwertigen Klebstoff verwenden und den Riss reparieren. Oder man füllt den Riss mit einem Epoxid-Harz aus und klebt so die Kapsel wieder. Oder man erhitzt das Plastik so weit, dass es anfängt zu schmelzen und verbindet die Teile wieder miteinander. In meinem Fall  habe ich mich dazu entschlossen mit einer Heat-Gun das Plastik aufzuweichen und anschließend mit einem kleinen Cutter-Messer zu modellieren. Dazu erhitze ich vorsichtig das Plastik lokal (bei ca. 150°C) und drücke die Teile wieder vorsichtig aneinander.

 

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Wie man nun sehen kann, die Kapsel ist jetzt wieder funktionstüchtig und die Teile haben sich miteinander verbunden. Der Riss ist weg.

 

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Als Nächstes bereite ich die Knetmasse (von UHU) vor, die aus zwei Komponenten besteht. Das UHU Powerkitt hat für mich den Vorteil, dass ich kleine Mengen entnehmen und verwenden kann. Zudem hat es eine recht hohe Festigkeit nach dem Durchtrocknen und lässt sich super mit Schleifpapier bearbeiten.  Für alle, die das Zeug nicht kennen, so sieht die Packung aus..

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Das Zeug gibt es in jedem gut sortierten Baumarkt. Ich schneide also von einem der Röllchen ein Stück ab, packe den Rest wieder sofort weg (darf nicht eintrocknen) und knete es ordentlich durch.

 

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Das Durchkneten ist sehr wichtig und man sollte es auch zügig und gut machen, bis die Masse sehr weich und geschmeidig geworden ist. Danach muss man es aber auch sofort verarbeiten, da es anfängt hart und porös zu werden.

 

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Ich trage die Masse direkt mit den Fingern auf das Loch auf und drücke ein wenig in das Loch hinein, bis es gut gefüllt ist. Nicht zu viel davon aber rein drücken, da sonst auf der anderen Seite kein Platz mehr für die Schraube sein wird. Anschließend sofort mit einem kleinen Spachtel oder – wie in meinem Fall mit einem geraden Cutter-Messer – die Knetmasse auf dem Loch verteilen. Dabei auch auf jeden Fall ein wenig Überschuss drauf lassen – also nicht ganz glatt streichen. Das Loch sollte vollständig bedeckt sein.

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Nach einer gewissen Trockenzeit und Durchtrocknung kann man dann mit dem Schleifpapier entsprechend beginnen die Stelle vorsichtig glatt zu schleifen. Ich verwende dazu einen Kork-Block als Schleifhilsmittel und verschiedene Schleifpapier-Sorten in div. Körnungen. Ich beginne mit einer größeren Körnung und gehe dann auf eine mittlere und später auf eine sehr geringe Körnung über. Das hinterlässt weniger Kratzer im Gehäuse, die man dann auch beim Lackieren nicht sieht. Es ist hierbei wichtig, dass man mit einem Hilfsmittel schleift, wie zum Beispiel dem Kork-Block oder einem Stück Holz, um das man das Schleifpapier gewickelt hat. Durch die gerade und harte Fläche wird auch die zu schleifende Fläche ebenso gerade bearbeitet und das Ergebnis sieht entsprechend gut aus. Kleine, nicht zu feste kreisförmige Bewegungen in Abwechslung mit geraden und konstanten Bewegungen sind dabei sehr gut.

 

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Wenn alles gut gegangen ist, sieht das Ergebnis entsprechend gut aus. Das Loch ist zwar noch optisch sichtbar (weil eben Farbe der Füllung nicht dem des Gehäuses entspricht), aber das ändert sich mit der Lackierung auf jeden Fall…

 

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Vor der Lackierung am Besten das Gehäuse nochmal gut reinigen und alle Rückstände entfernen.

Das war es schon. Ein sehr einfacher, aber wichtiger Eingriff, wie ich finde. Und da so etwas leider immer wieder passieren kann, hier noch ein paar wichtige Worte dazu im Nachgang:

  • Es ist unfassbar wichtig, dass man immer die korrekten Schrauben für den Gehäusetyp benutzt. Leider bekommt man in DE kaum guten Ersatz zu den oftmals speziellen Schrauben. Dennoch kann man diese auch über eBay oder Anbieter im Ausland bestellen (Amiga Kit in UK hat zum Beispiel Original-Schrauben verfügbar).Lieber also Original-Schrauben für ganz wenig Geld kaufen, als sich das Gehäuse mit falschen Schrauben kaputt schrauben.
  • Auch mit Original-Schrauben kann das noch immer passieren. Also genau wie überall darauf achten, dass Schrauben nicht immer ganz auf Anschlag und hart angezogen werden. Lieber sehr vorsichtig gerade bei einem Plastik-Gehäuse vorgehen, anstatt was zu riskieren.
  • Gehäuse sollten nur dann geöffnet werden, wenn das auch notwendig ist. Wer sein Gehäuse immer wieder öffnen muss, sollte das auch offen bzw. nicht verschraubt lassen (oder sich was anderes überlegen).

 

Das wer schon die Kurz-Anleitung – ich hoffe, jemand findet daran Spaß und auch eine Lösung sein (eigenes) Gehäuse zu retten. Viel Erfolg 🙂

 

 

Gehäusereparatur – Überdrehte Schrauben

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