Vor einiger Zeit entstand die Idee einen eigenen Bartop Arcade zu bauen, welcher möglichst auf einem Raspberry Pi System aufsetzt. Da ich so ziemlich gar keine Erfahrung im Bau einer solchen Maschine hatte, habe ich mich zunächst im Netz nach einigen Projekten umgeschaut, aber auch schnell beschlossen es einfach nach dem eigenen Gusto zu entwickeln. Entwickeln ist dabei etwas übertrieben gesagt, ich habe eigentlich – wie man so schön sagt – einfach darauf los gelegt.

Die Mamestation

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Alles beginnt mit der ersten Komponente: Dem Raspberry Pi Rechner. Ich hatte schon immer vor mir einen zu kaufen, um irgend ein Projekt damit zu realisieren. Als die 2-te Version des beliebten Low-Cost-Rechners raus kam, schlug ich zu. Direkt ein Set bestellt, damit alles Nötige dabei ist. Von Netzteil bis zum BlueTooth-Adapter. Nach dem anfänglichem Herumspielen mit dem Gerät, habe ich das Projekt „RetroPie“ entdeckt. Das Image, paar ROMs für den Mame-Emulator gezogen und erst einmal alles mit Tastatur erkundet. Lief fast alles auf Anhieb.

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Aber dabei sollte es nicht bleiben… Denn ich wollte ja einen „echten“ Arcade.

Mein Ziel war also ein solides Gerät, welches möglichst mit wenig Technik auskommt und mir eine große Flexibilität belässt, was Emulation von Spielen angeht. Ein guter und professioneller Joystick, echte Arcade-Buttons, Sound, ein großer Bildschirm und die typische Bauweise des Gehäuses sollten die Merkmale sein.

 

Ohne Tools nix los

Für alle diese Arbeiten werden natürlich Werkzeuge benötigt, die vielleicht nicht jeder Zuhause im Schrank oder im Keller liegen hat. Angefangen von div. Schraubendrehern, Zangen, Schrauben, Sägen (Metal, Stichsäge für das Holz), Schleifmitteln für die Oberflächenbehandlung sowie Lötkolben, Farben, Klebstoffen und vielen anderen Dingen bis hin zu einem Akkuschrauber und -bohrer, Proxxon-Bohrer (manche kennen es auch als „Dremel“, nur halt von der besseren Firma 🙂 ) und dazugehörigen Bohrern, Cuttern und und und… Wie man also sehen kann, je besser vorbereitet man ist, desto einfacher geht es von der  Hand. Ich weiß gar nicht, was alles ich verwendet habe, aber es war viel. Und wenn mir was fehlte, habe ich es mir einfach zugelegt. Schließlich kann man es ja später noch immer gut gebrauchen.

Tools

Es hängt natürlich von den eigenen Ansprüchen ab, wie gut und womit man etwas bastelt. Aber im Endeffekt ist es bei so einem gerät, wie mit einem Auto: Möchte man es perfekt haben, muss man dafür auch das nötige Werkzeug bereitstellen. Natürlich gehören dazu dann auch noch die richtigen und nötigen Materialien, auf die ich noch später eingehen werde.

 

Die Materialien

Man kann so ein Gerät eigentlich aus fast jedem Material bauen, hier kommt es nur auf das nötige Geld an. Acryl oder Metal wären zu teuer – und auch anfällig. Daher habe ich mich für ein sehr gutes Sperrholz entschieden, welches beidseitig beschichtet wurde (schwarzer Lack auf der einen Seite, eine schwarze Texturierung auf der anderen). Die nötigen Holzplatten habe ich im handelsüblichen Baumarkt gekauft (60 x 120cm, ca. 1,2cm dick). Ich habe mich nicht für das günstigste Sperrholz entschieden, da es mir zu sehr „wellt“ und sich verformt. Nachteil von dem beschichteten (guten) Holz ist, es ist deutlich schwerer – was sich im Gesamtgewicht des Bartop Arcades auswirkt.

Für den Monitor habe ich zusätzlich eine transparente Acryl-Platte und dazu noch eine schwarze Plastik (kein Acryl) Platte geholt, die es ebenfalls im Baumarkt gibt. Die schwarze Plastik-Platte habe ich für den Zuschnitts eines Passepartouts gewählt, da ich vor hatte den Monitor so nah wie möglich an das Schutzglas ohne eigenes Monitor-Gehäuse zu montieren.

Im Laufe des Projektes habe ich mir noch ein paar Goodies ausgedacht, auf die ich später eingehe.

 

Zuschnitt und Aufbau

Zunächst habe ich  mich um die beiden Seitenteile gekümmert. Mit einem Plan habe ich eine Schablone gezeichnet, wodurch ich die Maße aller anderen Teile definiert habe. Die Breite des Arcade sollte gleich sein (60 cm, weil auch das Holz aus dem Baumarkt bereits in 60cm Zuschnitt es zu kaufen gab – das machte Vieles einfacher). Also habe ich durch die Definition der Seitenteile alle anderen Maße bestimmt. Am schwierigsten ist es die Krümmung/Bogen des Seitenteiles aufzuzeichnen (und im Anschluss auch auszuschneiden). Den Rest bekommt man entweder direkt im Baumarkt auf Maß zugeschnitten, oder schafft es selbst mit der Stichsäge und entsprechender Nachbearbeitung.

Was wird alles an Holz benötigt? Geplant habe ich:

  • zwei Seitenteile
  • a) eine Rückseite
  • b) in Bodenteil (hier habe ich günstiges Regalholz geholt, da man es eh nicht sieht)
  • c) Oberteil
  • d) Panel Steuerpult – für Joystick und Buttns
  • e) Blende vorne/unten
  • f) Blende vorne/oben
  • g) Blende Lautsprecher (kommt unter die obere Blende)
  • h) Kleine Blende für Monitor unten (dient als Abstand und Halterung)

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Sieht so ein ganz wenig aus, wie ein Schuh oder Stiefel… 🙂

Das wäre im Grunde genommen der Korpus. Pläne dafür gibt es Haufenweise im Netz. Was ich allerdings bevorzugt habe – damit es auch meinem eigenen Touch bekommt -war ein eigener Plan, wie es aussehen sollte. Diesen habe ich mir für die Seitenteile auf Papier aufgezeichnet und vermessen.

Was man sonst noch benötigt: Jede Menge Holzschrauben (verschiedene Größen und Längen), Winkel und Kantholz. Mit den Winkeln und dem Kantholz habe ich die einzelnen Korpus-Teile miteinander verbunden und aufeinander ausgerichtet. Das hängt stark davon ab, was man alles in das Gehäuse bauen möchte – zum Beispiel was für ein Monitor es ist und wie tief der Joystick positioniert ist. Wichtig hier: Man sollte vorher lieber 2x messen, als hinterher Holz weg zu werfen. gerade die Bauteile wie Joystick-Knüppel haben eine Bautiefe, die mehr als ausreichend eingehalten werden muss, damit man ihn noch bewegen und vor allem die Anschlüsse setzen kann.

Bei dem Zusammenschrauben aller Teile  habe ich darauf geachtet, dass ich möglichst immer von Innen nach Außen verschraube, um von Außen auf die Sichtbarkeit von Schraubenköpfen zu verzichten. Leider ist das aus Stabilitätsgründen nicht immer der beste Weg, so dass es doch an einigen Stellen der Fall ist (seitlich an der Monitor-Blende war es nötig)

Nachdem alle Teile auf Maß zugeschnitten wurden, habe ich sie mit Sandpapier und Feilen bearbeitet, damit alle Kanten und Rundungen glatt sind und sich gut anfühlen. Da mir die Haptik wichtig war, habe ich auf Umleimer aus Plastik oder Gummi verzichtet und alles relativ naturbelassen.

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Auch auf eine Lackierung habe ich (bisher) verzichtet. Die schönen abgerundeten Seitenteile fühlen sich erhaben an, wenn man sie zunächst mit groben und dann mit sehr feinem Sandpapier bearbeitet. Es waren mehrere Durchgänge nötig, um die Seitenteile vollständig glatt an den Kanten zu bekommen. Doch es war es wert.

Eine weitere wichtige Sache ist es die Bohrungen für die Arcade-Buttons und den Joystick perfekt hin zu bekommen. Hierzu muss man sich ein Layout für die Anordnung überlegen, die einem gefällt und passt. Ich habe sie relativ einfach gehalten, wie man am vorherigen Bild sehen kann. Da ich noch zusätzlich ein gestaltetes Acryl-Panel für das Steuerpult mir ausgedacht habe (Infos dazu weiter unten im Text), war hier auch der Einsatz von Spezialwerkzeug nötig – und eine gehörige Portion Mut und Übung, damit ich es nicht versaue… 🙂

Extras am Gehäuse

Einige Extras am Gehäuse habe ich mir während des Aufbaus überlegt. Die Ideen wurden direkt spontan umgesetzt, was leider auch den Prozess des Aufbaus verlängerte (weil meistens etwas Material oder Zubehör fehlte).

Panel-Design mit Spielmotiven auf Acryl gedruckt

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Sowohl für das Button-Panel mit Joystick, wie auch für die Blende oberhalb des Monitors habe ich mir bedruckte Acryl-Platten anfertigen lassen. Das Design habe ich selbst in Photoshop erzeugt und anschließend bei einer professionellen Digital-Druckerei in Auftrag gegeben. Die Kosten hierfür halten sich sehr in Grenzen. Insgesamt hat alles ca. 35 Euro gekostet. Vermessen muss man alles natürlich selbst und diese Daten bei Dateien und beim Auftrag akribisch beachten. Auch beim Einbau ist dann große Vorsicht geboten, da der Druck beschädigt werden kann. Und wenn die Acryl-Platte einmal reißt oder splittert, war es das dann. Gerade bei Bohrungen muss man sehr aufpassen. Mit Schweißperlen auf der Stirn habe ich die Bohrungen für die Arcade-Buttons und den Joystick vorgenommen. Tipp: Hierzu habe ich Rundfräsen verwendet, die es in verschiedenen Durchmessern gibt. Mit Vorbohrungen und viel Geduld und wenig brachialer Kraft kann man sowas gut und gerne selbst machen.

Die gestaltete Acryl-Blende im oberen Bereich habe ich mit Aluminium-L-Blenden verziert, die gleichzeitig auch Halterung für die Acryl-Blende sind.

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Mit kleinen Schrauben von oben/unten konnte man mit entsprechendem Abstand die obere Blende montieren. Ein wenig Bastelarbeit ist dennoch gefragt, denn hinter der oberen Blende ist noch eine Lichtleiste angebracht, die die Blende bei Wunsch beleuchtet. Damit käme ich zum nächsten Extra…

Beleuchtung

Nachdem ich den Joystick gegen einen besseren ausgetauscht habe, wollte ich auch neue Arcade-Buttons nutzen. Im ersten Einkauf habe ich mir normale Arcade-Buttons in verschiedenen Farben gekauft. Die neuen Buttons machten aber eine Stromversorgung nötig. Das sollte sich aber leicht lösen lassen, denn auch die Blende oben sollte leuchten. Hier habe ich einen einfachen Trick verwendet und eine LED-Leiste gekauft, die per eigenes Steck-Netzteil mit einer 5 Volt Spannung lief. Dieses Netzteil habe ich angezapft, um die 6 weiteren LEDs in den Arcade-Buttons ebenfalls zum Leuchten zu bringen. Dazu noch einen zentralen Schalter (im Gehäuse) dazu gebastelt und schon konnte man bei Bedarf die Buttons und das Gehäuse beleuchten.

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Alu-Blende mit Handballen-Auflage aus „Leder“ und USB-Frontanschlüsse

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Eine weitere Idee war es, dem Steuerpult eine luxuriöse Handballen-Ablage zu spendieren, da das Auflegen der  Hände auf der harten Kante war nicht so der Knüller. Damit das alles noch einen Tick schöner aussieht, habe ich die vordere untere Blende mit Alu-Blech (Blech ist ca. 0,3mm dick, im Baumarkt zu bekommen) ummantelt und gleichzeitig noch zwei externe USB-Anschlüsse rechts platziert. Ein Stück des Steuer-Panels hat ebenso etwas Aluminium abbekommen und darauf wurde dann die Handballen-Auflage montiert. Für die Umsetzung der Auflage habe ich etwas (härteren) Schaumstoff und Kunstleder aus dem Baumarkt gekauft. In der Auflage habe ich zusätzlich 4 Schrauben eingefügt, um die Auflage von unten durch das Holz mit entsprechenden Muttern zu fixieren. Denn Klebstoff oder Klebeband alleine reicht nicht aus und bei intensiver Nutzung (Wärme, Schweiß, etc. 🙂 ) könnte diese sich sonst lösen.

 

Steuerpult aufklappbar

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Ich habe das Steuerpult samt Joystick und Arcade-Buttons mit Scharnieren montiert, damit ich es vorne (wie die Motorhaube im Auto 🙂 )  hochklappen kann um an die Elektrik und Verkabelung zu kommen. Das hat den Vorteil, dass man vorne auch noch andere Dinge unterbringen kann, wie zum Beispiel eine kleine Tastatur oder weitere Anschlüsse, die ich nicht extern ausgeführt habe. Die Klappe ist mit einem Magnet-Schnapper versehen, den man aus Möbeln und Schränken her kennt. Sie geht aber auch so nicht von alleine auf…

Weiter geht es mit dem Sound und sonstiger Elektrik. Das Gehäuse bekommt noch ein Schloss und Hauptschalter (gerne auch Fun-Switch genannt 🙂 ).

[TO BE CONTINUED]

Die nächsten Schritte im Umbau:

  • Umstieg von Handmade auf die Jamma-Schnittstelle
  • Neuer Kabelbaum mit Jamma-Connector
  • Jamma-Board mit RasPi verbinden und konfigurieren
  • Softwareupdates

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bartop Arcade auf Raspberry Pi Basis

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